Interview mit Herma de Jong aus Renesse

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(Herma bei North Sails in Kapstadt)

 

Hallo Herma, wie geht es Dir?

Alles prima, Danke!

Du hast im Jahr 2009 einen Shop in Renesse eröffnet, vermisst du den Shop am Brouwersdam?

Manchmal ja, ich vermisse den Ausblick am Strand und das Meer. Abends konnte ich sehen, wie der Wind und die Wellen am Brouwersdam waren, so dass ich nach der Arbeit direkt Windsurfen gehen könnte.

Im Shop am Browerdam konnten Deine Kunden ihre kaputten Segel und Kites bei Dir zur Reparatur abgeben. Bietest du diesen Service noch immer an?

Ab diesem Jahr konzentriere ich mich sogar voll auf die Segel- und Kite-Reparatur. Ich habe jetzt meinen Segelmachereitisch bei Hagoort Sails in Zierikzee aufgebaut. Hier ist richtig viel Platz, es gibt gute Nähmaschinen und ich arbeite mit super netten Leuten. So kann ich die Segel noch perfekter reparieren. Ard Houmes arbeitet für Hagoort Sails und ist eigentlich immer da. Er kann Segel für mich annehmen, wenn ich nicht da bin. Ard repariert Segel von Segelbooten und auch Kites. Segel können übrigens auch abgegeben und abgeholt werden bei Euro Fun Center “de Kous” am Brouwersdam, bei Jonker Funsports und bei Windsurfing Renesse.

Was bedeutet das für Dein Geschäft in Renesse?

Auch in der Fußgängerzone von Renesse habe ich Segel und Kites repariert. Ich hatte meine Nähmaschine hinten im Lager aufgebaut, aber leider war hier nicht so viel Platz und zum Nähen war es etwas zu eng. Den Laden habe ich daraufhin am Ende des vergangenen Jahres aufgegeben.

Wie und wo hast du Segelnähen gelernt?

Meine Eltern haben viele Jahre ein großes Windsurfgeschäft gehabt (Windmill Surfing) und mein Vater hat damals Custom-Mades gebaut und auch Boards repariert und dabei hatte er auch eine Segelmacherei. Surfbretter bauen und reparieren hat mich nicht interessiert, es macht so viel Staub und überall dieses klebrige Epoxy. Segel zu reparieren, hat mich direkt interessiert! Als ich 15 Jahre alt war, habe ich schon geholfen, Segel zu reparieren und zu produzieren!

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(Herma mit 8 Jahren am Gardasee mit einem Klepper S2)

 

Du hast in Kapstadt mehrere Monate bei North Sails gearbeitet. Was hast du da besonderes gelernt?

Oh ja, Kapstadt ist das Paradies!!! Für mich ist es der schönste Platz zum Windsurfen, aber auch zum Sightseeing, Shoppen und um den Tafelberg zu besteigen! Ich hatte in meinem 3 Monate langen Urlaub mein 4.2er zerrissen und wollte das bei North Sails reparieren lassen. Da der Segelmacher irgendwie verschwunden war, hat man mir angeboten, mein Segel selber zu reparieren. Das Ergebnis hat den Verantwortlichen gefallen und ich hatte einen prima Ferienjob! Bei North Sails habe ich gelernt, die Segel so schön und so gut wie möglich zu reparieren.

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(Herma am Sunset Beach in Kapstadt)

 

Woran erkenne ich als Kunde eine gute Reparatur?

Man muss ein Auge fürs Detail haben, das finde ich sehr wichtig! Ich benutze zum Beispiel verschiedene Monofilm-Qualitäten, eine für Wavesegel, eine andere für Racesegel und ich benutze auch X-plyed Monofilm für die Segelfenster. Die Nähte der Segel klebe ich zusätzlich mit einem Klebeband in der richtigen Farbe.

Kannst du jedes Segel reparieren oder gibt es auch Totalschäden, die nicht zu reparieren sind?

Oh nein, ich kann jedes Segel reparieren, selbst wenn ein Segel von links nach rechts durchgerissen ist. Der Kunde muss sich nur überlegen, ob es sich dann noch lohnt. Kites, die mehrere Risse haben, sind meistens nicht mehr zu reparieren, weil es einfach zu zeitaufwändig und damit zu teuer ist.

Segel sollen immer trocken sein, wenn sie bei Dir abgegeben werden. Warum?

Es wäre schön, wenn die Segel immer trocken wären, aber häufig ist das nicht der Fall. Alles wird mit doppelseitigem, wasserfestem Klebeband geklebt und erst dann wird genäht. Das Klebeband hält auf einer trockenen Unterlage besser und außerdem verträgt meine Nähmaschine weder Salz noch Sand.

Gehst du eigentlich noch Windsurfen? Macht es Dir noch Spass?

Leider komme ich nicht mehr so oft zum Windsurfen. Zu viel zu tun..haha..Am liebsten gehe ich am Brouwersdam bei Flut mit Freunden ein bisschen in der Welle spielen, aber das Grevelingenmeer kann auch schön sein.

Hast du Kiten schon mal ausprobiert? Was denkst du darüber?

Ich finde, dass Kiten ein sehr gefährlicher Sport ist. Meine Schwester kitet ziemlich gut und auch sie hat schon mal Kontrollprobleme mit ihrem Kite gehabt, als der Wind zu stark war. Nee, ich bleibe beim Windsurfen…

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(1987 1. Platz beim Waveriding in Scheveningen)

 

Erinnerst du Dich gerne zurück an die Zeit als Profisurferin?

Ja und nein! Am Ende war es einfach schwierig, Sponsoren zu finden. Der World Cup wurde im Laufe der Zeit immer teurer. Früher, in den 1980ern, waren Serienbretter gut genug. 1990 brauchte man ca. 12 Bretter, dazu Wave- und Slalomsegel und dann auch noch Ersatzmaterial! Es war fast unmöglich, das alles im Flugzeug zu transportieren. Nur die Top-Windsurfer mit entsprechenden Sponsoren konnten sich das leisten. Von Japan nach Europa und weiter nach Maui, das kostet schnell 1000 € pro Reise! Als ich Profisurferin im Fanatic Team war, hatten ich viel Spaß mit vielen netten Leuten. Ich war mit gutem Material ausgestattet und habe auch noch viele Wettbewerbe gewonnen!

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(1990 Slalom in l’Almanarre)

 

Was hat Dir dabei am Meisten Spass gemacht?

Ja, gewinnen natürlich! Ich weiß noch, mein erster Worldcup auf Sylt (1988). Ich hatte schon einen dritten Platz im Slalom gewonnen und hatte auch gute Chancen für die Wave-Performances. Kurz vor meinem ersten Heat gegen Nathalie le Lièvre kam der Vater von Natalie Siebel zu mir: „Be aggressive, Herma, du musst Nathalie schlagen! Yeah! And it worked! Danach trat ich gegen Martine van Soolingen an und war anschließend eine Runde weiter. Dann musste ich im Halbefinale gegen Natalie Siebel antreten und habe sogar das Heat gewonnen!!! Anschließend kam der Vater von Natalie Siebel lachend zu mir: „Eine Natalie wäre genug gewesen!“. Weil ich Natalie le Lièvre geschlagen hatte, war Natalie Siebel Nummer 1 im Wellenreiten. Und ich war die Nummer 2!!! Bis heute sind Natalie und ich noch immer noch gute Freundinnen.

Auf welchen Titel bist du besonders stolz?

Uhhh…vielleicht der 5. Platz auf Maui, als europäisches Mädchen so weit gekommen zu sein, zwischen 26 anderen hawaiianische Frauen??? Oder vielleicht der 1. Platz in Paris Bercy Indoor? Oder vielleicht doch Sylt? Schwierig…

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(1990 auf Maui)

 

Was war damals das wichtigste Ereignis, an das du Dich erinnerst?

Absolut die Bootsreise nach Niijima. Wir hatten gerade den Sometime Worlcup in Omaezaki beendet und sollten danach noch einen Worldcup auf einer Insel bei Japan fahren. Wir sind da mit einer großen Gruppe und mit dem gesamten Windsurfmaterial an Board hingefahren. Auf der Insel haben wir alle in kleinen Gruppen in echten japanischen Häusern gewohnt und alle Worldcupper hatten Fahrräder, um an den Strand zu kommen. Die Insel war so schön, mit so viel Natur und so entspannend. Leider konnten wir nicht auf das Wasser, weil gerade in dieser Woche kein Wind war…. Aber die Insel vergesse ich niemals…

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(Besuch bei Natalie Siebel in Konstanz nach dem Unfall)

 

Du bist damals auch Indoor gesurft, beschreibe doch mal, wie sich das anfühlt.

Einfach komisch: das Wasser ist viel zu glatt und der Wind ist extrem böig. Wenn du in der Nähe der Turbinen stehst, kannst du das 5.0er Segel kaum halten, aber auf dem Wasser, vielleicht 5 Meter von den Turbinen entfernt, ist fast kein Wind mehr. Hahaha…

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(1990 Indoor in Paris) siehe auch Surf-Magazin April 1990

 

Früher war Tarifa das Zentrum des Windsurfens in Europa. Welche Erinnerungen hast du?

Regen, Regen und noch mehr Regen!! Im Sommer bläst da fast immer ein starker, ablandiger Wind (Levante), aber im Winter kann man noch viel mehr Spaß mit dem Poniente haben. Dann gibst es Wellen und sideshore Bedienungen, aber es kann dann auch regnen!! Wochenlang…!

Als Profisurferin hast du alle wichtigen Surfspots der Erde kennengelernt. Wo liegt heute das Zentrum des Windsurfens?

In Renesse natürlich! Alle Spots haben etwas Gutes: ein Spot hat Flachwasser, andere haben immer starken Wind, wieder andere haben gute Wellen. Hier in ZudHolland hat man alles! Ouddorp für gute Wellen, den Brouwersdam für Windsurfer, die mit Wellenreiten anfangen, das Grevelingenmeer für Profi Racer (The Mission) und für Anfänger. Hier gibt es Alles!

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(1988 World Cup Sylt 2. Platz Slalom und 3. Platz Wave)

 

Herma, vielen Dank für das interessante Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit Deiner Segelmacherei.

Ich Danke Dir. Wir sehen uns auf dem Wasser! Mehr Infos unter:

http://windsurfsailrepair.wordpress.com/ windsurfsailrepair@mail.com

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